Im Rahmen unserer Monatsversammlung hatte unser Verein Besuch von Dr. Susanne Diekmann.
Die Amtliche Tierärztin informierte die Mitglieder ausführlich über die aktuelle Lage der Aviären Influenza (Geflügelpest) im Winter 2025/2026 und über Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung.
Der Vortrag gab einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit des Veterinäramtes und zeigte, welche Herausforderungen die Geflügelpest für Behörden, landwirtschaftliche Betriebe und auch Hobbyhalter bedeutet.
Aktuelle Situation im Kreis Kleve
Der Winter 2025/2026 war so stark wie nie zuvor von den Ausbrüchen der Geflügelpest betroffen.
Im Kreis Kleve wurden insgesamt 18 Ausbrüche festgestellt, dazu kamen weitere Fälle in den Nachbarkreisen und in den Niederlanden.
Betroffen waren vor allem große Puten- und Hähnchenmastbetriebe, aber auch einzelne Hobbyhaltungen. Infolge der Ausbrüche mussten zahlreiche Bestände geräumt werden.
Die Räumungen erfolgen in der Regel durch Spezialfirmen und werden durch das Veterinäramt überwacht. In großen Beständen kommt häufig eine Stallbegasung zum Einsatz, während bei kleineren Beständen eine Injektionstötung erfolgt.
Aufgaben des Veterinäramtes
Die Bekämpfung der Geflügelpest ist für die Veterinärbehörden eine sehr umfangreiche Aufgabe. Dazu gehören unter anderem:
- Kontrolle von Geflügelhaltungen
- Probenentnahmen und Labordiagnostik
- Einrichtung von Sperrzonen
- Überwachung von Schutz- und Überwachungsgebieten
- Organisation von Bestandsräumungen
- Kontrolle von Reinigung und Desinfektion
- Genehmigungen und Überwachung der Wiederaufstallung
- Wildvogelmonitoring
- Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentation
Gerade die Koordination dieser Maßnahmen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden, Landwirtschaft und Geflügelhaltern.
Rolle der Wildvögel
Ein wichtiger Aspekt bei der Verbreitung der Geflügelpest ist das Wildvogelreservoir.
Im Kreis Kleve wurden im Rahmen des Monitorings 116 Wildvogelkadaver untersucht, davon waren 72 positiv auf Aviäre Influenza. Besonders häufig betroffen waren Wildgänse, aber auch Enten, Schwäne und andere Vogelarten.
Auch in Kotproben von Wildvögeln konnten Virusnachweise erbracht werden. Dies zeigt, dass das Virus in der Umwelt weiterhin präsent ist.
Was ist Aviäre Influenza?
Die Geflügelpest wird durch Influenza-A-Viren verursacht. Diese Viren besitzen zwei wichtige Oberflächenproteine:
- Hämagglutinin (H) – 18 bekannte Varianten
- Neuraminidase (N) – 11 bekannte Varianten
Durch die Kombination dieser Varianten entstehen Virus-Subtypen wie zum Beispiel H5N1.
Besonders gefährlich für Geflügel sind die Subtypen H5 und H7, die sich zu hochpathogenen Varianten entwickeln können.
Krankheitsverlauf bei Geflügel
Bei hochpathogener Aviärer Influenza (HPAI) kann der Krankheitsverlauf sehr schnell sein.
Typische Symptome sind:
- plötzlich auftretende Todesfälle
- stark steigende Verlustraten
- neurologische Störungen
- Atemwegsprobleme
- Durchfall
- Rückgang von Futter- und Wasseraufnahme
In vielen Fällen verläuft die Krankheit so schnell, dass Tiere ohne vorherige deutliche Symptome verenden.
Maßnahmen zur Bekämpfung
Die derzeit wichtigste Strategie zur Bekämpfung der Geflügelpest ist das sogenannte „Stamping-out“.
Dabei werden betroffene Bestände vollständig getötet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Weitere wichtige Maßnahmen sind:
- strikte Biosicherheitsmaßnahmen
- Aufstallungsgebote bei hohem Risiko
- Überwachung von Tiertransporten
- intensive Untersuchungen von Wildvögeln
Das Ziel ist laut Experten, das „epidemiologische Ping-Pong“ zwischen Wildvögeln und Geflügelhaltungen zu unterbrechen.
Impfung als mögliche Zukunftslösung
Eine Impfung gegen Geflügelpest wird derzeit intensiv diskutiert.
In mehreren Ländern laufen bereits Impfprogramme oder Versuche:
- Deutschland: Impfversuche (z. B. beim Friedrich-Loeffler-Institut)
- Niederlande: Impfungen bei Legehennen
- Frankreich: Impfprogramme bei Enten
- Italien: Impfversuche bei Puten
Allerdings gibt es noch einige offene Fragen, zum Beispiel:
- Kosten der Impfprogramme
- notwendiges Monitoring
- mögliche Handelsbeschränkungen
- Risiko neuer Virusvarianten
Bedeutung für Hobbyhalter
Auch für Hobbyhalter und Rassegeflügelzüchter bleibt das Thema Biosicherheit sehr wichtig. Dazu gehören insbesondere:
- Schutz des Futters vor Wildvögeln
- getrennte Schuh- und Kleidung für den Stall
- regelmäßige Reinigung und Desinfektion
- Vermeidung unnötiger Tierkontakte
- sofortige Meldung ungewöhnlicher Krankheits- oder Todesfälle
Fazit
Der Vortrag hat eindrucksvoll gezeigt, wie komplex die Bekämpfung der Geflügelpest ist und welchen großen Aufwand Behörden und Betriebe betreiben müssen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Für Geflügelhalter – egal ob Hobby oder Landwirtschaft – bleibt es entscheidend, auf Biosicherheit und Aufmerksamkeit zu achten. Nur so kann das Risiko von Ausbrüchen reduziert werden.
Unser Verein bedankt sich herzlich bei Dr. Susanne Diekmann vom Veterinäramt Kreis Kleve für den informativen Vortrag und den offenen Austausch mit unseren Mitgliedern.
